KRITISCHE ANALYSE · GEOPOLITIK

Nur noch europäische Cloud-Systeme?

Geopolitische Spannungen, der US CLOUD Act und wachsende Datenschutzrisiken stellen eine unbequeme Frage: Wo liegen unsere Projektdaten – und wer kann darauf zugreifen?

Die Digitalisierung hat Architektur- und Planungsbüros abhängig von Cloud-Diensten gemacht – für BIM-Kollaboration, Projektmanagement, Kommunikation und Datenspeicherung. Doch 70 % der europäischen Cloud-Infrastruktur wird von US-amerikanischen Anbietern betrieben. In Zeiten geopolitischer Unsicherheit ist das keine abstrakte Frage mehr: Es geht um die Kontrolle über sensible Entwurfsdaten, Kundendaten und Projektkommunikation.

RECHTLICHER KONTEXT

US CLOUD Act

Der US CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) verpflichtet amerikanische Cloud-Anbieter seit 2018, auf behördliche Anfrage Daten herauszugeben – unabhängig davon, ob diese Daten auf Servern in Europa oder den USA liegen. Die DSGVO schützt europäische Nutzer zwar vor europäischen Behörden, nicht jedoch vor US-amerikanischen Zugriffen auf Basis des CLOUD Act.

RISIKEN

Drei konkrete Risiken für Ihr Büro

Rechtliche Grauzone

DSGVO und CLOUD Act stehen in direktem Konflikt. Europäische Gerichte haben US-Datentransfers wiederholt für unzulässig erklärt – trotzdem nutzen die meisten Büros täglich US-Cloud-Dienste.

Datenzugriff durch Dritte

Entwürfe für öffentliche Auftraggeber, Sicherheitsinfrastruktur oder sensible Privatprojekte könnten auf behördliche Anfrage hin zugänglich werden – ohne dass Sie davon erfahren.

Anbieterabhängigkeit

Preiserhöhungen, Produkteinstellungen oder geopolitisch motivierte Zugangssperren können Ihren Bürobetrieb von einem Tag auf den anderen beeinträchtigen – wenn alle Daten bei einem einzigen Anbieter liegen.

EUROPÄISCHE ALTERNATIVEN

Europäische Cloud-Anbieter im Überblick

AnbieterStärkeHinweis
IONOS (DE)Hosting, S3-kompatible Speicherung, Managed CloudVollständig DSGVO-konform, Rechenzentren in DE/EU
OVHcloud (FR)IaaS, Kubernetes, Object StorageGrößter europäischer Cloud-Anbieter, ISO 27001
Hetzner (DE)Preisgünstiger Compute & StorageIdeal für kleinere Büros, sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Stackit (DE)Enterprise-Cloud der Schwarz-GruppeBesonders für compliance-kritische Anwendungen geeignet
Nextcloud (DE)Selbst gehostete KollaborationsplattformMaximale Datenkontrolle, on-premise oder bei EU-Hoster
EMPFEHLUNG

Eine pragmatische Cloud-Strategie

Ein vollständiger Wechsel zu europäischen Anbietern ist für die meisten Büros heute noch nicht realistisch – zu tief sind US-Dienste in den Arbeitsalltag integriert. Aber eine bewusste Strategie ist überfällig: Welche Daten sind besonders schützenswert? Welche Dienste könnten durch europäische Alternativen ersetzt werden? Und wo ist die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter zu groß? Diese Fragen sollte jedes Architektur- und Planungsbüro heute beantworten können.

Das Fazit

Unser Urteil

Der US CLOUD Act gilt auch für Daten auf europäischen Servern von US-Anbietern – ein strukturelles Risiko.

Europäische Cloud-Anbieter bieten heute Datenschutz, den US-Dienste rechtlich nicht garantieren können.

Wer alle Projektdaten bei einem US-Anbieter konzentriert, setzt seinen Betrieb einem unnötigen Risiko aus.

Eine hybride Strategie – kritische Daten auf EU-Infrastruktur, unkritische Workflows auf US-Diensten – ist pragmatisch.

Cloud-Souveränität ist kein ideologisches Thema – es ist eine pragmatische Frage der Risikominimierung. Büros, die heute ihre Datenstrategie überdenken, schützen ihre Kunden, ihre Projekte und ihre Unabhängigkeit.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Cloud-Souveränität

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Wir helfen Ihnen dabei, eine pragmatische Cloud-Strategie zu entwickeln – welche Daten wo liegen sollten und welche europäischen Alternativen für Ihr Büro sinnvoll sind.

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